LOUIS SOUTTER – ARNULF RAINER

Terra incognita

20. November 2015 bis 13. Februar 2016

Wir freuen uns, Sie an der Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag, dem 19. November 2015 ab 18 Uhr begrüssen zu dürfen.

In der diesjährigen Herbstausstellung der GALERIE KNOELL werden zwei Positionen der Modernen Kunst und der Gegenwart einander gegenüber gestellt, in der die Werke von Louis Soutter (1871 – 1942) und Arnulf Rainer (*1929) in einen spannungsvollen Dialog treten. Arnulf Rainer ist einer der ersten Künstler, der das damals völlig unbekannte Werk Soutters sehr früh zu schätzen gelernt hat und ihn nicht nur als manisch Zeichnenden, sondern als Wegbereiter seiner eigenen Künstlergeneration ansieht.

Erstmals wurden die beiden Werke gemeinsam in der Ausstellung „Les doigts peignent“ von 1986 im Musée cantonal des Beaux-Barts in Lausanne ausgestellt, wobei die von beiden Künstlern angewendete Technik der Fingermalerei im Vordergrund stand.

Die Werkschau der GALERIE KNOELL setzt nun erstmals die Fingermalereien Soutters aus den 1930er Jahren und die sogenannten Übermalungen Rainers aus den frühen 60er Jahren systematisch in Beziehung.

In Rainers Übermalungen wird ab 1950 die Leinwand mit schwarzer Ölfarbe zugedeckt, wobei die darunter liegenden Bildmotive durch die Überlagerungsprozesse zunehmend zu einem monochromen Bild tendieren. Er übermalt dabei sowohl eigene Arbeiten als auch (meist technisch reproduzierte) Werke anderer Künstler, weshalb die scheinbar schwarz-regelmässig bemalten Leinwände in Wirklichkeit Zeugnis einer permanenten Auseinandersetzung mit der Bildvorlage sind. Dieser gegebenen Bilder aus dem Fundus der (eigenen) Kunstgeschichte bemächtigt er sich sukzessive, bis am Ende die regelrechte Verdrängung des ursprünglich Gegebenen durch das Schwarz vorliegt.

Das Werk des Schweizer Malers Louis Soutter (1871-1942) zählt zweifellos zu den künstlerischen Ausnahmeerscheinungen des 20. Jahrhunderts, das jenseits der akademischen Tradition als auch jenseits des modernen Avantgardismus anzusiedeln ist. Nach einer gescheiterten Laufbahn als Musiker und Zeichner in den Vereinigten Staaten wird er nach seiner Rückkehr 1923 in einem Altersasyl im Schweizer Jura untergebracht, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbringt.

Den Höhepunkt seiner künstlerischen Individualität erreicht Soutter, als er in den 1930er-Jahren Pinsel und Tuschfeder weglegt, jene Symbole des klassischen Malens, und nach einer Krankheit der Handgelenke als erster Künstler konsequent mit den blossen Fingern zu Malen beginnt. Dies stellt seine letzte gestalterische Befreiung von den Massgaben einer Kunst-Öffentlichkeit dar, von der Soutter bereits nach dem Eintritt ins Asylheim endgültig isoliert gewesen war. Der Pinsel und die Tuschfeder als Werkzeuge, die als technische Übersetzer der bewegten Hand zwischen Maler und Malgrund treten, werden zugunsten eines unmittelbaren physischen Kontaktes zwischen Künstler und Werk überwunden: Jede Bewegung der Fingerspitze und jede damit korrespondierende Gebärde des Malsubjekts, schreibt sich ungefiltert und mit grösster Direktheit in den Malgrund ein. Bei Soutter wie bei Rainer figuriert die Malerei also in gesteigerter Weise als evidente Malspur, die immer wieder auf das malende Subjekt und damit auf den Herstellungsprozess als solchen zurückführt.

Das Weglegen der konventionellen Malerutensilien geht mit einer Absage Soutters an tradierte Formensprachen der Kunstgeschichte einher und führt ihn gleichzeitig zu einer „Urform des Zeichnens“ (Hartwig Fischer) zurück. Rainers Übermalungen stellen in ihrer radikalen Verdrängung der zugrundeliegenden Bildvorlage (die exemplarisch für die ganze Tradition steht) einen visuellen Nullpunkt dar, der ein neues Verständnis von Bildlichkeit in die Zukunft entwirft. Durch beide Werke zieht sich das zentrale Motiv des Bruches, der die historisch vorbereiteten Pfade verlässt und in noch unbekanntes Neuland, eine Terra incognita des Bildes, aufbricht.

Die Mehrheit der gezeigten Werke Arnulf Rainers stammten direkt aus dem Atelier des Künstlers und wird in der Ausstellung zum ersten Mal öffentlich präsentiert. Anlässlich der Ausstellung wird auch ein Interview mit Arnulf Rainer neu aufgelegt, in dem er zum späten Werk des Schweizers Louis Soutter Stellung bezieht und die Beziehungen und Gegensätze zu seinem eigenen Schaffen beleuchtet.

Öffnungszeiten:

Di – Fr: 10 – 12 Uhr, 14 – 18 Uhr

Sa: 10 – 16 Uhr

Ausstellungskatalog


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