KARL GERSTNER

21. November 2017 - 10. März 2018

Diagon 31, 1956
Diagon 31, 1956

Das warm-kalte Gelb gelbe Gelb, um 1960

Typographie, das viermal graue grau, 1960

Carro 64, Unikatnummer 23, ab 1956

Carro 64, Unikatnummer 37, ab 1956

Das schwarz-weisse Konzentrum, 1955-56

Zyklische Permutation Quadrupel schwarz-weiss 1-4, 1958/75

Synchromie 49, Triptychon, ab 1992

Synchromie 66, Altar, ab 1992

Zyklische Permutation, Serie an 14 Zeichnungen, o. J.

Karl Gerstner (1930-2017), geboren in Basel, war ein anerkannter Theoretiker, Grafiker, Maler und Autor an der Spitze der wichtigsten Kunstbewegungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Theorie diente ihm als Basis, die Methodik als Instrument und die Innovation als Ziel seiner künstlerischen Arbeit. Als Grafiker und Mitbegründer der international agierenden Werbeagenturen „Gerstner + Kutter“ und später „GGK“ war er einer der Protagonisten der erfolgreichen Schweizer Grafik. Als Autor hat Gerstner zahlreiche Artikel und Bücher über Kunst verfasst, wie den Klassiker der Gestaltungslehre „Kompendium für Alphabete. Systematik der Schrift“, 1972. Als Theoretiker war er vor allem mit seiner Schrift „Kalte Kunst? Zum Standort der heutigen Malerei“, 1957, hervorgetreten. Oftmals entstanden seine Texte parallel zu seinem bildnerischen Werk und fungierten als Ergänzungen und Erweiterungen. Seine Forschungen auf dem Gebiet der Farbenlehre bildeten den methodischen Ausgangspunkt für seine Produktion, welche der Künstler selbst in Kapitel eingeteilt hatte. Teils überlagerten sich die Serien, teils erstreckten sie sich über Jahrzehnte. André Thompkins übersetzte Karl Gerstner ins Anagramm „Streng klarer“, eine treffende Bezeichnung für einen Verfechter der konsequenten konstruktiven Logik. Gerstners Kunst war eine Recherche, die in seinem Atelier, seinem Labor, ausgeführt wurde und auf zwei Säulen basiert: der Suche nach bildnerischen Systemen und der Erforschung der Farbwirkungen.

Bereits in seinen frühen Arbeiten lassen sich einige Parameter definieren, die für sein Werk charakteristisch sind. So ersann Gerstner ganze Bildsysteme und dachte nicht in Einzelwerken. Wichtig war auch das Einbeziehen des Betrachters, wofür er den Begriff der Partizipationskunst prägte, der sich durch sein Werk zieht. Ferner spielte die Veränderbarkeit des Bildes, ob mechanisch oder optisch, seit dem Austausch der Op Art und der kinetischen Kunst in den 1960er Jahren eine wesentliche Rolle in Gerstners Werk.

Die systematische Unterteilung seines Werkes in Kapitel beginnt in den 1950er Jahren mit den „Aperspektiven“, einem System aus Grautönen, das aus konstanten Formen mit variablen Koordinaten besteht und den „Reihenbildern“, zu denen auch die Arbeit „Progressive Penetration“, schwarz-weiss, 1960, zählt. Letztere sind in der Auseinandersetzung mit den Zürcher Konkreten entstanden. Gerstner war auch führender Vertreter der „Konkreten Kunst“, die von Joseph Albers und Max Bill popularisiert wurde. Bei der Analyse der konkreten Werke war Gerstner aufgefallen, dass die formale Struktur transparent und schlüssig war, jedoch nicht mit der Farbe korrelierte. Gerstner wollte konstruktive Bilder schaffen, in denen Form und Farbe eine Einheit bilden. Die Formen wurden aus zahlenmässig gleichen Abständen und die Farben aus empfindungsmässig gleichen Abständen gebildet. Dabei erkannte Gerstner die darin liegende Schwierigkeit der Messbarkeit der Farbe als ein Problem der Psychologie und hat dazu später prinzipielle Überlegungen niedergeschrieben. In konsequenter Entwicklung serieller Prinzipien wandte er sich dann mit den Werkgruppen der „Color Sounds“, „Color Lines“ und „Color Forms“ vornehmlich der Farbe und ihrer Wirkung zu.

Karl Gerstner war an verschiedenen internationalen Gruppen- und Einzelausstellungen vertreten:
An der Documenta 3 und 4 in Kassel, der Biennale in Venedig, im Wallraf-Richartz-Museum in Köln, im Kunstmuseum Bottrop, im Von der Heydt-Museum in Wuppertal, im Museum of Modern Art in New York, im Palazzo Reale in Mailand, im Centre Pompidou in Paris, im Kunstmuseum Winthertur, im Kunsthaus sowie im Helmhaus in Zürich, im Museum für Gegenwartskunst Basel und im Kunstmuseum Solothurn.

Seine Werke wurden unter anderem in folgenden Galerien ausgestellt:
Galerie Denise René in Paris, Galerie Der Spiegel in Köln, Galerie Hans Mayer in Düsseldorf, Staempfli Gallery in New York und Galerie Beyeler in Basel.

Text zitiert nach:

Minimalism in Germany. The Sixties. Minimalismus in Deutschland. Die 1960er Jahre, Renate Wiehager, Hrsg., Daimler Art Collection, Hatje Cantz, Ostfildern 2012, S. 254.

 

Öffnungszeiten Galerie Knoell Luftgässlein 4:

Di – Fr: 13 – 18 Uhr
Sa: 10 – 16 Uhr